Groove is our source: Softwareentwicklung für Korg Keyboards

Mal was anderes als Web und Mobile…

Es ist schon eine ganze Weile her, da klopfte der Leiter der R&D-Abteilung von Korg, Italien bei uns an. Es ging um die Entwicklung eines Moduls zur Notendarstellung auf Keyboard-Displays. Hatte ja erstmal wenig mit unseren Hauptgeschäftsfeldern zu tun, aber daraus entwickelte sich dann ein sehr spannendes Projekt, dessen Ergebnis im November 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und so kams:

Wer uns drei insertEFFECT-Gründer näher kennt oder sich schonmal gefragt hat, woher der Firmenname eigentlich kommt, weiß, dass wir alle drei unseren Background im Bereich der elektronischen Musik und Audiotechnik haben. Deshalb staunten wir nicht schlecht, als damals die erste die Email von Korg kam. Korg ist einer der weltweit größten Hersteller von Audio-Equipment, Keyboards und anderen Musikinstrumenten (Noch dazu der coolste im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten Yamaha und Roland, aber das nur am Rande…).

Die Email kam von Jürgen Schmitz, dem Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Er ist Deutscher, wohnt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Italien, wo er Korg Italy aufgebaut hat. Er war bei Recherchen auf meine Diplomarbeit zum Thema Java Sound und ASIO gestoßen. Seine erste Anfrage (einen Tag vor meinem Urlaub - ich war etwas kurz angebunden) drehte sich dann auch um eine Erweiterung dieser Arbeit, die er dann kurzerhand selbst umgesetzt hat. Wir blieben aber in Kontakt und er erzählte, dass sie auf der Suche nach externen Entwicklern sind, die Module für ihre Keyboards umsetzen.

Wir hatten durchaus Respekt vor der ganzen Sache: Die Entwicklung in C++ für ein propietäres Betriebssystem und für stark limitierte Speicher- und CPU-Ressourcen war für uns Neuland. Aus der Diplomarbeit war etwas Erfahrung hängen geblieben und die Theorie war uns vertraut. Aber niemand von uns hatte je ein größeres Projekt in dem Bereich umgesetzt. Der Respekt wurde dann auch nicht weniger, als wir erfuhren, was das erste Projekt werden sollte: Korg plante die Entwicklung eines Notations-Moduls für ihre Keyboards. Das bedeutet, dass eingespielte oder reingeladene MIDI-Noten als Notensymbole aus dem Display der Keyboards erscheinen sollen. Die Umsetzung in gut lesbare Notenschrift erfordert auch viel musikalisches Know-How. Gute Desktop-Notationsprogramme wie Logic Audio oder Finale sind hochkomplexe Softwarepakete - und nicht gerade billig.

Im März bei unserem traditionellen alljährlichen insFX-Ausflug zur Musikmesse in Frankfurt trafen wir uns dann zum ersten Mal mit Jürgen, Enzo und Paolo von Korg. Es ergab sich ein sehr nettes und interessantes Gespräch, nicht nur über das anstehende Projekt. Wir konnten noch nicht ganz glauben, dass die Sache wirklich konkret zu werden schien und wir eine Notendarstellung für Korg-Keyboards entwickeln dürfen.

Es folgte ein Angebot von unsrer Seite und eine kurze Beschreibung, wie wir uns die Umsetzung vorstellten. Anschließend eine Skype-Video-Konferenz mit allen Beteiligten auf beiden Seiten - eine lustige Form des Meetings über die Distanz (ich erinner mich an viele Gesichter, die sich etwas gedrängt hinter einer Webcam versammelt hatten). Parallel dazu experimentierten wir ein bisschen mit C++ und der Umsetzung von MIDI-Noten in Notations-Symbole. Jedes Mal, wenn ich unseren damaligen Test-Song “Mad World” von Gary Jules und Michael Andrews höre, muss ich an diese Experimenierphase denken.

Nicht viel später kam dann der Vertrag per Post und wir konnten loslegen.

Das Projekt wurde ursprünglich in drei Phasen aufgeteilt:

  • Phase 1: Proof of concept
  • Phase 2: Full implementation
  • Phase 3: Debugging and keyboard implementation

Man muss zugeben, dass das Projekt weder bei uns noch bei Korg höchste Priorität genoss. So zog es sich dann doch deutlich länger hin, als geplant. Mal lags an uns, mal an Korg.

Hier ein paar terminliche Eckdaten des Gesamtprojekts:

  • Erste Kontaktaufnahme: ca. August 2005
  • Erste Infos über das Notation-Projekt: Oktober 2005
  • Konkrete Anfrage und erstes Angebot: Juni 2006
  • Überarbeitetes Angebot und Vertragsentwurf: August 2006
  • Vertragsunterzeichnung und Start Phase 1: September 2006
  • Start Phase 2: Januar 2007
  • Start Phase 3: Februar 2007
  • Erweiterung der Phase 3: April 2007
  • Start Phase 4 und Intensiv-Debugging vor Ort: Februar 2008
  • Endabnahme: September 2008
  • Release: November 2008
Screenshot

Screenshot vom Keyboard-Bildschirm

Beeindruckend fand ich den Besuch im Februar bei Korg in Osimo bei Ancona. In einer sehr schönen Landschaft eine sympathische Firma mit äußerst netten Leuten. Jürgen zeigte mir bei seiner Führung durch die Räume auch das Geheim-Labor mit zukünftigen Entwicklungen, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Mit Fabrizio und Enzo konnte ich vor Ort technische und musikalische Probleme lösen. Sehr nett die Jungs. Jeden Abend wurde ich von einem anderen Korgler zum Essen ausgeführt und… ich bleib dabei: Italienisches Essen ist durch nichts zu toppen! :)

Im November wurde das OS-Update mit der Notendarstellung als neuem Feature den Korg-Kunden zum kostenlosen Download bereitgestellt. Seitdem tanzen unsre Notensymbole (siehe Screenshot) auf zahlreichen Keyboard-Bildschirmen der PA2X/PA800-Serie auf der ganzen Welt.

Korg PA2X

Korg PA2X

Die Kombination aus technischer Herausforderung und musikalischer Tüftelei sowie das Neuland C++ / embedded systems haben bei diesem Projekt die besondere Mischung ausgemacht. Für uns wars zudem eine gute Gelegenheit, unsere Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen und alles wurde durch den unkomplizierten und netten Kundenkontakt abgerundet. Danke an Korg für dieses gemeinsame Abenteuer mit erfolgreichem Abschluss!

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